Nach inzwischen sechzig Verhandlungen über eine Wiedervereinigung haben die Präsidenten beider Seiten den Entschluss gefasst, die Gespräche zu intensivieren: Erstmals seit September 2008 treffen sich die Präsidenten zu einem Beratungsmarathon, der vom 11. bis 13. und vom 25. bis 27. Januar abgehalten wird.
An dem Treffen am vergangenen Montag in der geteilten Hauptstadt Nikosia nahm auch der UN-Sondergesandte für Zypern, der ehemalige Außenminister Australiens, Alexander Downer, teil. Konkrete Ergebnisse gab es nicht. Die Gespräche wurden am Dienstag fortgesetzt.
Was eine Einigung anbelangt, ist die Bevölkerung der Insel skeptisch. Insgesamt 61 Prozent der Zyperngriechen und 58 Prozent der Zyperntürken glauben nicht, dass die Gipfelgespräche gute Ergebnisse bringen.
Der kleinste gemeinsame Nenner zwischen beiden Seiten ist bisher die Schaffung einer bizonalen, bikommunalen und föderalen Republik.Für die türkisch-zyprische Verhandlungsseite, ist der Abzug der türkischen Friedenstruppen aus Nordzypern ein No-go, ebenso die Rücksendung tausender eingebürgerter Siedler in die Türkei. Eine weiterer Streitpunkt der Umgang mit den Grundstücken im zyperntürkischen Norden, die einst Zyperngriechen gehörten. Diese fordern ihr Eigentum zurück, das sie im Zuge der Teilung zurücklassen mussten. Die Zyperntürken bevorzugen das Prinzip der Entschädigung. Sie fürchten, bei Rückkehr der vormaligen Bewohner wieder in eine Minderheitenrolle gedrängt zu werden.
Die meisten Beobachter sind sich einig: wenn es den Verhandlungspartnern in den beiden Marathon-Gesprächsrunden nicht gelingt, greifbare Fortschritte zu erzielen, sind die Bemühungen zur Lösung des Inselstreits zum Scheitern verurteilt. Erzielen die beiden Präsidenten hingegen eine Annäherung, könnten die Gespräche endlich durchstarten.
UN-Generalsekretär Ban Ki-moon ermutigte vergangenen Donnerstag telefonisch die beiden Präsidenten. Er sei vorsichtig optimistisch. Am 2. Februar wird der UN-Generalsekretär auf Zypern erwartet.