Abzug der türkischen Truppen?
6. März 2010Die Türkei hat durch eine Ankündigung neue Dynamik in die stockenden Zypern-Verhandlungen gebracht. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan signalisierte in einem Interview mit mehreren Zeitungen die Bereitschaft, die türkischen Truppen aus Nordzypern abzuziehen. “Wir sind bereit, unseren Beitrag zum Erreichen dieses Ziels zu leisten“, sagte Erdogan. Damit könnte eine der größten Hürden auf dem Weg zu einer Wiedervereinigung der Insel beseitigt werden. Erdoğan schränkte allerdings ein, dass ein sofortiger Abzug als Vorleistung für eine Friedenslösung nicht infrage komme.
Ankara erhöht mit diesen Signal die Chancen für eine türkische EU-Mitgliedschaft. Denn erfolgreichen Beitrittsverhandlungen steht vor allem das Zypern-Problem im Wege. Auch steigt mit der Ankündigung der Druck auf das zyperngriechische Verhandlungsteam, in der einen oder anderen offenen Frage nachzugeben. Diese betreffen zum Beispiel die Rückgabe von Immobilien oder das Recht der seit 1974 eingewanderten Türken, im Land zu bleiben.
Die Ankündigung aus Ankara löst freilich noch nicht alle Probleme. In Nikosia-Süd wird damit gerechnet, dass die nordzypriotische Seite selbst bei einem schrittweisen Abzug der Truppen auf Interventionsrechte des türkischen Militärs beharren werde. Dies wäre für den griechischen Teil der Insel aber kaum annehmbar.
Fortschritte gibt es in den Verhandlungen bereits bei der Entwicklung einer föderalen Struktur mit zwei Parlamenten, die in einer gemeinsamen Versammlung tagen sollen. Auch zahlreiche andere Detailfragen wurden gelöst